Helden brauchen wir!
Das Schicksal eines erfolglosen Schriftstellers stand am vergangenen Dienstag im Zentrum der Aufführung der Theater-AG, die ihr selbst entwickeltes Stück „Rogers Rache“ aufführte. Was, wenn der Erfolg ausbleibt? Was, wenn man sich Geld geliehen hat und dieses nun zurückgefordert wird? Verzweifelt spielt der Schriftsteller Turner Page (Linus Froesch) verschiedene Sequenzen für sein neues literarisches Werk durch und kombiniert dabei all das, was schon einmal Erfolg hatte. Ob die Charakterideen nun zusammenpassen oder nicht – was nicht passt, wird passend gemacht.
So finden sich zunächst die Helikoptermutter Marianne (Mia Laun) und die von dieser genervte Kinderärztin Camille (Chiara Bastian) in seiner Geschichte wieder, die zwar für erste Lacher im Publikum sorgen, dem Schriftsteller aber nicht ausreichen für seinen geplanten Bestseller. Denn dafür braucht es einen Bösewicht, einen Antihelden, der nun in Person von Roger Rogerson (Michael Ellenberger), einem populistischen Politiker, Einzug in die Geschichte findet. Dieser ruft seine Zuhörer in einer demagogischen Rede auf ihn zu wählen. Doch auch das reicht Turner Page noch nicht aus und so ergänzt er drei Heldinnen aus dem Marveluniversum (Lea Bastian, Svenja Griessl, Svea Trost), die plötzlich Verbrecher jagen und so für Spannung auf der Bühne sorgen. Aber auch damit ist der geplante Erfolgsroman nicht zu Ende gedacht, denn was braucht es noch? Einen echten altgriechischen Helden – Perseus (Benjamin de Jong)! „Der musste einfach sein!“, so Turner Page. Und so tummeln sich plötzlich Charaktere aus verschiedenen Epochen auf der Bühne, wechseln sich ab, ergänzen sich – und machen sich chorisch über ihren Schöpfer lustig. Dieser verzweifelt immer mehr: „Ich brauche mehr Drama in meiner Prosa“. Und so lässt er verschiedene Sequenzen für seinen Schluss durchspielen: allesamt Todesvarianten, denn die Charaktere haben demokratisch entschieden, dass Roger Rogerson sterben muss. Doch nichts kann den Schriftsteller richtig zufrieden stimmen – „probieren wir es nochmal“; „zu unrealistisch“. Seine Verzweiflung, seine Not einen echten Erfolg zu landen, ist förmlich spürbar. Denn er hat Schulden zu begleichen. Turner Page entwickelt mit viel Fantasie ein Feuerwerk an Ideen für seine Charaktere, die auf der Bühne für beste Unterhaltung des Publikums sorgen. Doch am Ende bleibt sein neues Werk unvollendet – die Zeit reicht nicht aus, das Ultimatum seine Schulden zu begleichen ist um – und er wird erschossen. Mit ihm sterben seine Ideen, seine Charaktere auf der Bühne – und damit alle Helden!
Die Theater-AG hat einmal mehr ein gänzlich selbst kreiertes Stück auf die Bühne gebracht. Angeleitet von Theaterlehrerin Susanne Resmini, haben die SchülerInnen die Figuren und Texte selbst entwickelt – zunächst über Improvisationen, anschließend auf Papier festgehalten, um sie dann eindrucksvoll mit Leben zu füllen. Die stellvertretende Schulleiterin Judith Heer betonte nach der Aufführung, dass die Theater-AG Denkanstöße gegeben habe - in einer Zeit, in der sich viele von uns mehr mutige Helden wünschen würden. Sie betonte, dass alle DarstellerInnen Helden seien, weil sie ihren Alltag und die zeitintensiven Arbeiten und Proben am Stück bewältigt haben und bedankte sich bei allen Beteiligten für ihr großes Engagement. Auch dank der Unterstützung der Technik-AG unter der Leitung von Jared Maisenbacher war der Abend ein voller Erfolg und nicht nur die DarstellerInnen, sondern auch das Publikum verließen die Mensa an diesem Abend mit einem Strahlen im Gesicht, vielleicht aber auch mit dem ein oder anderen Denkanstoß.